Entgangener Gewinn – Berechnung Schadensersatz

Wer Schadensersatz leisten muss, hat nach § 249 Abs. 1 BGB „den Zustand herzustellen, der bestehen würde, wenn der zum Ersatz verpflichtende Umstand nicht eingetreten wäre.“

Das Gesetz ist von der Vorstellung geleitet, den Schaden als Differenz zu bestimmen:

Rechtsgüterlage ohne schädigendes Ereignis ./. effektiv bestehende Rechtsgüterlage = Schaden

Zum zu ersetzenden Schaden gehört auch der entgangene Gewinn. Gelegentlich wird dieser auch aus Ausfallschaden bezeichnet.

Was umfasst der entgangene Gewinn?

Die gesetzliche Grundlage für den Schadensersatz bei entgangenem Gewinn bildet § 252 BGB:

„Der zu ersetzende Schaden umfasst auch den entgangenen Gewinn. Als entgangen gilt der Gewinn, welcher nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge oder nach den besonderen Umständen, insbesondere nach den getroffenen Anstalten und Vorkehrungen, mit Wahrscheinlichkeit erwartet werden konnte.“

Es kommt also darauf an, die tatsächliche Entwicklung der Unternehmensgewinne mit deren hypothetischer Entwicklung zu vergleichen.

Die Berechnung des entgangenen Gewinns

Mit der Deckungsbeitragsrechnung hat die Betriebswirtschaftslehre ein Instrument entwickelt, mit dem die Frage nach dem entgangenen Gewinn beantwortet werden kann.

Der Deckungsbeitrag ist der Saldo aus Umsatz und variablen Kosten. Er gibt den Betrag an, den eine betriebliche Leistung oder ein Produkt zur Deckung der fixen Kosten leistet.

Dabei sind die variablen Kosten jene, die mit einer Veränderung des Umsatzes ebenfalls zu- oder abnehmen. Die fixen Kosten ändern sich dagegen mit einer Erhöhung bzw. Senkung des Umsatzes grundsätzlich nicht.

Kann das Ausmaß des Ausfallschadens durch Inkaufnahme erhöhter Kosten vermindert werden, können diese Mehrkosten ebenfalls Teil des entgangenen Gewinns sein.

Ein etwaiger Schaden lässt sich dann wie folgt beziffern:

Entgangener Umsatz ./. entfallene oder ersparte Kosten + Schadenminderungskosten = entgangener Gewinn

Konkrete Berechnung des entgangenen Gewinns

Eine konkrete Schadensberechnung erfolgt anhand einzelner, tatsächlich ausgefallener Aufträge oder Geschäfte. Der Geschädigte hat nachzuweisen, welche einzelnen Umsätze ihm schadensbedingt entgangen sind. Der Schaden ist dann die Differenz aus diesen entgangenen Umsätzen und den damit wegfallenden Kosten.

Abstrakte Berechnung des entgangenen Gewinns

Den Bezugspunkt einer abstrakten Schadensberechnung bildet nach dem Sprachgebrauch des BGH gemäß § 252 S.2 BGB der Gewinn, „welcher nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge oder nach den besonderen Umständen, insbesondere nach den getroffenen Anstalten und Vorkehrungen, mit Wahrscheinlichkeit erwartet werden konnte.“

Für den „gewöhnlichen Lauf der Dinge“ können z.B. die Umsätze und Roherträge aus der Zeit vor oder nach dem Schadensereignis einen Maßstab bilden. Diese Referenzperioden dienen dazu, den hypothetischen Verlauf ohne Schadensereignis abzubilden.

Der entgangene Gewinn oder Ausfallschaden kann dabei umso genauer ermittelt werden, je vergleichbarer die relevanten Zeiträume vor und nach dem Schadensereignis mit dem Schadenszeitraum sind. Dabei sind auch saisonale Einflüsse und Wachstumstrends zu berücksichtigen.